Lernen im Schlaf?

Alle drei Referentinnen sind an Forschungsprojekten zum Schlaf von Kindern beteiligt, sie teilen sich das Referat zum Thema Schlafen und Lernen. Nach einer Einführung in die biologischen Grundlagen des Schlafes erläutern sie die in verschiedenen Studien erhärtete Erkenntnis, dass der Mittagsschlaf bei Kindergartenkinder nicht nur die Speicherung des neu Gelernten, sondern auch die Einsicht in logische Abläufe unterstützt.

Kerstin Hoedlmoser (Universität Salzburg), Ines Wilhelm und Leila Tarokh (beide Universität Zürich) teilen sich in das Referat zum Thema Schlafen und Lernen – alle drei Referentinnen sind an Forschungsprojekten zum Schlaf von Kindern beteiligt.

Zunächst führen sie in den Stand der heutigen Erkenntnisse zu den biologischen Grundlagen des Schlafes ein. Man unterscheidet heute fünf Schlafstadien (Wachzustand, Schlafbeginn, leichter und tiefer Tiefschlaf, REM- oder Traumschlaf), die sich während der gesamten Schlafdauer in 5 Zyklen à je etwa 90 Minuten abwechseln. Dabei wird der Anteil an Tiefschlaf bei jedem Zyklus kleiner, während der Anteil des REM-Schlafes zunimmt. Über die verschiedenen Lebensalter verändert sich diese Schlafarchitektur ebenso wie das Schlafbedürfnis und damit die Schlafzeit beträchtlich: Während Neugeborene nahezu 23 von 24  Stunden, nur unterbrochen von kurzen Wachzeiten,  schlafen, verschlafen Kleinkinder noch durchschnittlich 16-18 von 24 Stunden und Erwachsene dann nur noch rund 8 Stunden. Kinder zeigen zudem mehr Tiefschlaf mit einem hohen REM-Schlaf Anteil, bei Erwachsenen konzentriert sich der REM-Schlaf stärker auf die zweite Nachthälfte, während bei älteren Menschen der Leichtschlaf überwiegt.

Warum wir schlafen ist eine Frage, die bis heute wissenschaftlich nicht geklärt ist – auch wenn sich die Spezialisten einig sind,  dass der Schlaf sowohl für das Immunsystem, für den Stoffwechsel wie auch für die kognitiven Leistungen des Gehirns unabdingbar  ist.  Die entscheidende Frage im Zusammenhang mit dem Lernen von Kindern lautet jedoch: hilft Schlaf dem Gedächtnis? Dafür liegen inzwischen gesicherte Erkenntnisse vor.

Die Leistung des Gedächtnisses verteilt sich auf drei Stufen: das eigentliche Lernen, das Speichern  und schliesslich das Abrufen des Gelernten. Kindergartenkindern wurde nun am Vormittag ein Memory-artiges Spiel vorgelegt. Die Gedächtnisleistung kurz nach dem Lernen war bei allen Kindern identisch. Liess man jedoch die einen Kinder eine Siesta machen und die anderen nicht, so war die Leistung der Kinder mit Mittagsschlaf deutlich besser.  Diese bessere Lernleistung hielt überdies auch nach 24 Stunden noch an. Auch andere Studien haben inzwischen klar gezeigt, dass ein Mittagsschlaf bei Kindergartenkinder die Speicherung des neu Gelernten massiv unterstützt. Ganz ähnlich verhält es sich beim Verständnis einer Aufgabe durch Einsicht, durch ein sogenanntes Aha-Erlebnis: Bei einer Aufgabe, die sie Tasten drücken liess, verstanden Kinder nach dem Mittagsschlaf plötzlich perfekt, in welcher Reihenfolge dies zu geschehen hatte.  Kinder ohne Mittagsschlaf hatten dagegen diese Einsicht nicht. Das kindliche Gehirn scheint mithin durch den Schlaf Einsicht zu produzieren und Kinder mit mehr Tiefschlaf zeigten überdies mehr Einsicht – so das Fazit der Forscherinnen.

Bei Erwachsenen konnte zudem gezeigt werden, dass ein akustisches Präsentieren von Lerninhalten (z.B. Vokabeln) während des Schlafes zu besseren Gedächtnisleistungen führte. Selbst ein Rosenduft, während des Lernvorgangs präsentiert und dann während dem Schlafen wiederholt, vermochte das Gedächtnis zu besseren Leistungen bringen. Die Speicherung kann als durch einen äusseren Reiz, wie es ein Duft darstellt, unterstützt werden – ob dies auch bei Kindern und Jugendlichen möglich ist, bleibt allerdings bisher eine offene Frage.

Schliesslich weisen die Referentinnen noch auf die vielfach erwiesene Bedeutung des Schlafes für die Schulleistung von Teenagern hin und empfehlen, schon in der Schule mehr Wissen zur Bedeutung des Schlafens und der Schlafhygiene zu vermitteln.

Kathrin Meier-Rust