Deshalb braucht es Bildungslandschaften

Kinder müssen sich unterschiedliche Kompetenzen aneignen, damit sie später eine aktive Rolle in Beruf und Gesellschaft einnehmen können. Viele Kinder verpassen jedoch bereits im Kindergarten den Anschluss. Deshalb braucht es Bildungslandschaften: Sie sorgen dafür, dass alle Beteiligten die Kinder gemeinsam fördern.

Kinder wachsen heute anders auf als noch vor 30 Jahren. Viele von ihnen wohnen in der Agglomeration und nicht mehr in überschaubaren dörflichen Strukturen. Ihre Eltern sind oft beide berufstätig oder alleinerziehend. Andere Kinder wachsen ohne Geschwister, in fremdsprachigen oder streng religiösen Familien auf. Diese gesellschaftlichen Veränderungen stellen die Gesellschaft vor grosse Herausforderungen: Jedes Kind braucht eine individuelle Förderung, damit es sein Potenzial ausschöpfen und seine Schulzeit erfolgreich durchlaufen kann. Dies wiederum ist die Voraussetzung, damit ein Kind am Ende der obligatorischen Schulzeit den Einstieg in die Berufswelt schafft.

Die Schule hat in den vergangenen Jahren versucht, alle Kinder zu fördern und zu integrieren – etwa mit Sprachkursen oder Tagesschulen. Trotzdem wird es immer schwieriger, jedem Kind eine gerechte Chance auf Bildung zu bieten. Ein Kind, dem die Eltern bereits als Baby viele Geschichten erzählt haben und das später Musikschulen und Sportvereine besucht und häufig mit Gleichaltrigen draussen spielt, hat andere Voraussetzungen als ein Kind, das schon als Kleinkind häufig alleine zu Hause gewesen ist und viel fernsieht. Das Resultat: Viele Kinder verpassen bereits im Kindergarten oder dann beim Übergang in die Berufswelt den Anschluss.

Gerechte Chancen für alle Kinder

Insbesondere Kinder aus bildungsfernen Familien mit Migrationshintergrund oder knappem Budget sind gefährdet, weil sie von den Eltern tendenziell weniger gefördert werden und nicht so oft an schulischen oder ausserschulischen Aktivitäten teilnehmen. Die Schule kann diese Kinder nicht genügend fördern, denn gerade die nicht-kognitiven Fähigkeiten erwirbt ein Kind nicht nur in der Schule, sondern auch in der Familie, in der Jugendmusik, beim Fussballspiel im Verein, als Baby in der Krabbelgruppe oder als Jugendlicher in der Clique. Hier lernen Kinder, Geduld zu haben und Misserfolge wegzustecken. Sie üben, sich selbst zu motivieren, Respekt zu haben und Teamgeist zu entwickeln. Und sie lernen, kreativ und flexibel mit neuen Aufgaben und Situationen umzugehen. Diese «Soft Skills» braucht ein Kind, damit es später ein glückliches und erfolgreiches Leben führen kann. Und, wie neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, auch für den kognitiven Lernerfolg.

Bildungslandschaft lohnt sich

Deshalb braucht es Bildungslandschaften: Sie schaffen Netzwerke, die es erlauben, jedes Kind individuell zu fördern. Je stärker die Bildungsinseln rund um ein Kind wachsen, sich verdichten und vernetzen, desto grösser wird seine Chance auf eine umfassende Bildung. Das Kind wird beim Übergang von einer Bildungsstufe zur nächsten unterstützt und kann sich im Laufe seiner Schulbildung einfacher all jene Kompetenzen aneignen, die es später in Beruf und Gesellschaft braucht. Dass sich die systematische Vernetzung der verschiedenen Bildungsakteure lohnt, zeigte die PISA-Studie von 2009. In der Schweiz fehlen jedoch vielerorts die institutionellen Voraussetzungen für eine solche Vernetzung. Mit dem Programm «Bildungslandschaften Schweiz» will die Jacobs Foundation deshalb einen ersten Anstoss leisten und mögliche Lösungswege erproben.