Wir sprechen mit Dr. André Schläfli, Direktor der Schweizerischen Vereinigung für Erwachsenbildung (SVEB), über Bildungslandschaften.

Eine Bildungslandschaft ist die Kombination aus Bildung und Landschaft. In einer Landschaft gibt es Villen, Einfamilienhäuser, Blocks und Infrastruktur sowie Berge, Seen, Wälder und Blumen. Es gibt Strassen, die zur Bildung führen, Karrierepfade und Ausbildungswege. Eine Bildungslandschaft muss ganzheitlich betrachtet werden ohne Einschränkungen, die zu Fehlschlüssen führen können. Zum Beispiel wird momentan in der Schweiz intensiv über den Lehrplan 21 für die Volksschule diskutiert; etwa welche Sprachen zwingend in der Schule gelernt werden müssen. Man könnte meinen, dass das Lernen von Deutsch, Französisch und Englisch der Weisheit letzter Schluss sei. Dabei sind Menschen durchaus in der Lage, selbst gewählte Sprachen auf verschiedenen Wegen zu erlernen – bis ins hohe Alter.

Eine Bildungslandschaft besteht nicht nur aus formalen Bildungseinrichtungen mit ihren überprüfbaren Abschlüssen, sondern beinhaltet auch den Sportplatz, kulturelle Einrichtungen wie Museen und Kunstateliers, verschiedene Aktivitäten (ältere Menschen, die einen Mittagstisch anbieten oder Pro Senectute, die einen Ausflug organisiert). Zentral ist die Vernetzung, zum Beispiel die der Pro Senectute mit der Kita oder des Sportvereins mit Sprachkursanbietern.

Ausserdem braucht es eine gemeinsame Vision, die man sich zuerst geben muss. Was bedeutet Lernen in unserem Dorf oder unserer Region? Die Entwicklung einer Vision ist ein gemeinsamer Prozess aller Beteiligten. Die Vision ist sowohl Basis als auch Zweck der Vernetzung. Aus der Vision können die Ziele und konkreten Arbeitsschritte, die Angebotskoordination et cetera abgeleitet werden. Idealerweise passiert dies in selbstorganisierten Gruppen, die bei Bedarf ein Coaching verlangen können. In skandinavischen Ländern funktioniert dies, in der Schweiz ist das leider ohne institutionelle Anbindung kaum möglich. Der Aufbau und die Etablierung einer Bildungslandschaft sollten in selbstorganisierter Entwicklung ohne staatliche Eingriffe möglich sein. Selbstverständlich ist es jedoch wichtig, dass sich auch die Behörden, zum Beispiel eine Gemeindepräsidentin, aktiv für die Bildungslandschaft einsetzen. Weitere Akteure können Stadtbibliothek, Volkshochschule, Migrationsvereine, Kindergärten, Sportvereine, Universitäten, Theater und so weiter sein. Es geht darum, möglichst viel Bevölkerung einzubeziehen.

Die Breite des Netzwerkes ist einer der Indikatoren für die Effizienz einer Bildungslandschaft. Wichtig sind auch der Ausgleich der verschiedenen Interessen, die Aufgabenverteilung im Netzwerk sowie die Bewertung der Zielerreichung. Diese muss aus den Rückmeldungen der Beteiligten erhoben werden und gibt die Möglichkeit zur weiteren Planung.

Man muss die Bildung neu denken -ohne Einschränkungen – denn es gibt unterschiedliche Wege zum gleichen Ziel.