Über den Tellerrand

BNE – Ein Mehrwert für Bildungslandschaften!

Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) befähigt Menschen, sich für die Gegenwart zu engagieren und an der Planung und Umsetzung der eigenen Zukunft aktiv teilzuhaben. Die Bildungslandschaft «Schule und ihre Gemeinde» steht im Blickpunkt der dafür benötigten, zukunftsorientierten Kompetenzen. Nachfolgend schildern wir Erkenntnisse aus gelungener Schule-Gemeinde-Zusammenarbeit und zeigen unterstützende Programme auf.

Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) ist darauf ausgerichtet, Kompetenzen zu fördern, die für eine nachhaltige Zukunft nötig sind, denn die globalen Herausforderungen sind vielfältig: Klimawandel, Migration, Digitalisierung, Übernutzung der natürlichen Ressourcen, um nur einige zu nennen. Ziel jeglicher Bildung ist es, Kompetenzen für das Leben zu entwickeln – und da stellt sich sofort die Frage nach den wichtigsten Kompetenzen für die erste Hälfte des 21. Jahrhunderts. Diese Kompetenzen beinhalten zum Beispiel die Fähigkeit, mit vielfältigen Akteuren bei Interessenskonflikten zu kommunizieren und den Umgang mit Kommunikationstechnik, Kreativität, kritisches Denken, Umgang mit Unsicherheit und Komplexität, die Fähigkeit zur Zusammenarbeit und verantwortungsvolles Handeln. So wurde BNE denn auch als fächerübergreifendes Bildungsanliegen im Lehrplan 21 verankert: „Bildung soll den Menschen helfen, den eigenen Platz in der Welt zu reflektieren und darüber nachzudenken, was eine Nachhaltige Entwicklung für die eigene Lebensgestaltung und das Leben in der Gesellschaft bedeutet. Es geht darum, Wissen und Können aufzubauen, das die Menschen befähigt, Zusammenhänge zu verstehen, sich als eigenständige Personen in der Welt zurechtzufinden, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv an gesellschaftlichen Aushandlungs- und Gestaltungsprozessen für eine ökologisch, sozial und wirtschaftlich Nachhaltige Entwicklung zu beteiligen“ (Lehrplan, 2016, S. 36). Kompetenzen wie die eben genannten werden allerdings nicht nur in der Schule, sondern auch in erweiterten, informellen Lernumgebungen entwickelt.

 

Kooperation mit Gemeinden – Chance für authentisches Lernen

Die Bildungslandschaft «Schule und ihre Gemeinde» steht im Kern der Arbeit an den 17 UN-Nachhaltigkeitszielen (siehe Kasten). Gemeinsam können Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund an der Gestaltung ihrer lokalen Zukunft teilnehmen. Das von der EU finanzierte Projekt CoDeS (Collaboration of schools and communities for sustainable development) hat sich drei Jahre den Fragen und Methoden erfolgreicher Zusammenarbeit gewidmet.

 

Das Projekt CoDeS – Zusammenarbeit von Schulen und Gemeinden

Was ist erfolgreiche Zusammenarbeit – gibt es Kriterien dafür? Die Analyse von erfolgreichen Projekten in der Bildungslandschaft «Schule und ihre Gemeinde» zeigte, dass es durchaus Kriterien gibt, die solcher Arbeit zugrunde liegen. Es ist ausschlaggebend, dass die MITSPRACHE aller Beteiligten gewährleistet ist, denn jede Gruppe bringt eigene Kompetenzen ein, die zum Erfolg führen. Die KOMMUNIKATION muss mitgeplant werden, LERNANLÄSSE sind genau zu planen, denn das Lernen steht im Zentrum der Schule. Praktisches HANDELN ist wichtig, weil es die ausserschulischen Partner mit ins Projekt bringt und weil die Zusammenarbeit mit ihnen neue Lernanlässe generiert. Das ganze Projektteam braucht VISIONEN, um gemeinsame Ziele und Wege identifizieren können und das Projekt braucht ein MANDAT, sowohl von der Schule wie auch von den ausserschulischen Partnern. Das Mandat ist einer der Gründe, warum Projekte lang andauernd sein werden: Es stützt den wichtigen Moment der Institutionalisierung von Neuerungen. Wichtig sind auch RESSOURCEN, und zwar oft nicht finanzielle, denn es kann sich um Arbeitszeit, Infrastruktur oder auch symbolische Ressourcen handeln. EVALUATION der Projektschritte und der sozialen Prozesse begleitet die die ganze Arbeit und wird mitgeplant, anhand ihrer Erkenntnisse können früh allfällige Probleme erkannt werden.

 

BNE-Bildungslandschaften – Arbeit mit innovativen Methoden

Die Sammlung von Beispielen – die Toolbox und der Reiseführer: CoDeS hat eine Toolbox für ProjektplanerInnen zusammengestellt. 31 bereits umgesetzte Beispiele aus verschiedenen Ländern regen an zum gemeinsamen Tun. Die Publikation ist basierend auf Schritte des Projektmanagements aufgebaut – von der Projektplanung bis zur Dokumentation liegen für jede Phase praktizierbare Ideen vor. Für interessierte Personen, die sich für die Grundsatzfragen zu Nachhaltiger Entwicklung und Projektarbeit interessieren, liegt ein Reiseführer für Kooperationen vor. In ihm findet sich die Basisinformation zu „Was, Wenn, Wo, Warum mit Wem und Wie“; jedes Kapitel wird ergänzt durch Methoden, Beispiele und eine Theoriebox.

Die Projektpartner aus CoDeS haben sich während der gemeinsamen Arbeit gefragt, warum sich viele Schulen vor der Zusammenarbeit mit ausserschulischen Partnern scheuen. Eine Umfrage ergab, dass ein Problem in der Zielsetzung der Schule liegt – Schulen verstehen sich als zentraler Ort für das Lernen von definierten Inhalten, aber auch in der Angst vor Vereinnahmung durch ausserschulische Partner. Die unterschiedlichen Stundenpläne respektive Arbeitszeiten von Partnern aus Schule und Gemeinde spielen eine Rolle ebenso wie Kommunikationsprobleme zwischen den Partnern. Diesen Herausforderungen versuchte das Projektteam anhand der eigenen Erfahrungen zu begegnen und Lösungen für allfällige Probleme aufzuzeigen.

Auch wenn Projektarbeit Mehrarbeit bedeutet, so eröffnet die Zusammenarbeit in der Bildungsland­schaft «Schule und ihre Gemeinde» auch neue Horizonte, vertieft das gegenseitige Gespräch und bereichert sowohl den Unterricht wie auch die gegenseitige Wertschätzung.

 

Schulnetz21 – eine konkrete Möglichkeit für Schweizer Schulgemeinden

Seit 21. März 2017 werden Schulen in der Schweiz auf dem Weg zu gesundheitsfördernden und nachhaltigen Schulen vom Schulnetz21 unterstützt.

Gesundheitsfördernde und nachhaltige Schulen haben zum Ziel, die Schule als Ort zu gestalten, an dem gerne, gut und nachhaltig gelernt, gearbeitet und gelebt wird. BNE wird Schritt für Schritt in alle wichtigen Aspekte des Schullebens (Unterricht, Organisation, Betrieb) integriert. Eine gesundheitsfördernde und nachhaltige Schule orientiert sich am Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung und an den Handlungsprinzipien Partizipation, Visionsorientierung, vernetzendes Denken, Empowerment, Langfristigkeit, Chancengerechtigkeit. Die Schule wird zu einem Übungsfeld, in welchem Kinder und Erwachsene gemeinsam eine nachhaltige Entwicklung erproben und erleben können (vgl. Vision einer gesundheitsfördernden und nachhaltigen Schule, 2016). Die Schule entwickelt sich als Ganzes zu einem gesunden, sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltigen Arbeits-, Lern- und Lebensraum.

Als Träger von Bildungseinrichtungen haben Gemeinden/Städte enormes Potential, diese zu prägen und unterstützen. Vielerorts kann an erfolgreichen Lokale Agenda-Prozessen angeknüpft werden. So können Gemeinden beispielsweise Weiterbildungsmassnahmen im Kontext von Bildung für Nachhaltige Entwicklung offerieren, Bildungseinrichtungen konkret in lokale Aktivitäten (z.B. Agenda21-Prozesse, Energiestadt, 2000-Watt-Gesellschaft, Renaturierungsprojekte, Integrationsanlässe usw.) einbeziehen und Service Learning im Kontext einer nachhaltigen Gemeindeentwicklung fördern, oder die Gemeinde kann Bildungseinrichtungen dazu anregen, Nachhaltigkeit gesamtinstitutionell zu etablieren und sie auf ihrem Weg zu gesundheitsfördernden und nachhaltigen Schule unterstützen.

 

Christine Affolter, Barbara Schäfli, Sandra Wilhelm, éducation21

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éducation21 versteht unter einer nachhaltigen Bildungslandschaft ein ganzheitliches Lehr- und Lernkonzept als Grundlage für die zukunftsfähige Gestaltung einer Gemeinde (im Sinne von Gemeinschaft), indem alle Akteure gemeinsam an ihrer Vision von Nachhaltigkeit wirken. Nachhaltige Bildungslandschaften verfolgen das Ziel, BNE in sämtliche Bereiche der Bildung zu integrieren (vgl. Fischbach, Kolleck & de Haan, 2015. Auf dem Weg zu nachhaltigen Bildungslandschaften. Wiesbaden: Springer).

Schulnetz21 basiert auf dem Schweizerischen Netzwerk Gesundheitsfördernder Schulen (SNGS), das sich seit 1997 zum grössten Netzwerk in der Schweizer Bildungslandschaft entwickelt hat. Die erweiterte Ausrichtung haben die beiden Stiftungen éducation21 und RADIX gemeinsam mit den kantonalen Netzwerken, der EDK, den Verbänden der Lehrpersonen und Schulleitungen sowie Bundesstellen erarbeitet.

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Weitere Informationen

17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung

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